Was erst einmal wie ein typischer Fantasytitel klingt, entpuppt sich recht schnell als etwas ganz anderes. Bei "Erzähler der Nacht" haben wir es im Prinzip mit einem
Märchen zu tun. Einem sehr gemächlichen Märchen mit einer
Grundstimmung, wie man sie von anderen bekannten orientalischen Erzählungen ("Der kleine Muck", "Geschichten aus Tausendundeiner Nacht") kennt. Alles emotionale wird immer ein wenig übertrieben ("Gesegnet sei deine Hand", "Ich schwöre bei der Seele meiner Mutter"), doch die Geschichten haben allesamt etwas zauberhaftes an sich.
GeschichteN? Ja, denn es geht um einen
Kutscher aus Damaskus, der eines Tages
stumm wird und nur dann wieder sprechen kann, wenn ihm seine sieben Freunde in einer Woche je ein von Herzen kommendes Geschenk machen. Auf materielle Weise funktioniert dies nicht, wie sie schnell herausbekommen. Also
erzählt jeder von ihnen dem Kutscher, welcher vor allem als genialer Geschichtenerzähler (nur so bekommt er seine Fahrtgäste) bekannt ist, eine
Geschichte. Und darum geht es in diesem Buch.
Viel mehr gibt es dazu eigentlich auch gar nicht zu sagen. Die Geschichten sind meist
fantasievoll und werden mit Temperament erzählt. Dabei wird keine Lehre á la "Und die Moral von der Geschicht..." transportiert, was auch mal sehr erfrischend ist.
Lesetechnisch geht "Erzähler der Nacht" deswegen auch
sehr gut von der Hand.
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Rafik Schami (rechts im Bild) (Quelle) |
Durch die Einteilung des Buches in 12 Kapitel (nach den einleitenden Kapiteln gibt es für jede Geschichte ein Kapitel) bietet es sich für
kurze Gute-Nacht-Lektüre hervorragend an. Nebenbei bekommt man (auf recht oberflächlichem Level allerdings) ein wenig vom Damaskus der 1960er und der syrischen (um nicht zu sagen "arabischen") Mentalität mit. In die Tiefe geht das aber wie gesagt keinesfalls. Was eigentlich für das ganze Buch gilt. "Seichte Unterhaltung" ist "Erzähler der Nacht" deswegen noch lange nicht, denn wer hält bezaubernd erzählte Märchen für "seicht"?
Kurz (und zweideutig) gesagt:
Zauberhaft und
Fantastisch.
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